Geisttier Albatros

Tristan Albatros, Diomedea dabbenena

Vor 8 Jahren begegnete ich dem Geisttier Albatros bei einer jungen Frau. Sie war durch Ereignisse in ihrer Kindheit, in ihrem Lebensvertrauen und ihrer Beziehungsfähigkeit verletzt worden. Sie war bereit zu träumen, sich in Zustände zu begeben, die sie ihre seelischen Verletzungen vergessen ließen. Andrerseits war sie begabt darin, in Kontakt mit Leuten zu kommen, die ihre traumatischen Erinnerungen zu neuem Leben erweckten. Manchmal lebte sie tagelang auf der Straße, mit oder ohne Drogen, in einem Rauschzustand, von Jugend und Ewigkeitsgefühlen umwoben. Für Albatrosse ist es anstrengend den Flug aufzunehmen und auch wieder zu landen, doch in ihrem dynamischen Segelflug sind sie getragen von einer Ausdauer, von einer besonderen Fähigkeit, es auch mit den sehr stürmischen Wetterlagen aufzunehmen. Die junge Frau manövrierte sich gekonnt durch schwierige Erlebnisse und Gefühlslagen. Ich erlebte sie entschlossen darin, ihr Leben zu meistern.Der  Albatros jagt auf hoher See. Seine Lieblingsspeise sind Tintenfische, die des Nachts aus der Tiefe an die Meeresoberfläche kommen. Dazu kleine Fische und Krebse. So nah der Oberfläche sind sie keine großartigen  Flugkünstler mehr. Gerne lassen sie sich im Wasser nieder, um schwimmend zu fressen. Sie wissen instinktiv, wo sie fündig werden.  Albatrosse profitieren dabei ebenso von der Beute von Killerwalen, als auch von den Abfällen der Fischereischiffe. Tristan Albatrosse brüten auf der südatlantischen Gough Insel. Ab dem dritten oder vierten Lebensjahr gehen Albatrosse eine feste Partnerschaft ein. Ihre Jungen füttern sie mit fliegenden Fischeiern. In früherer Zeit klebten diese Fischeier an schwimmenden Holzstücken oder Stroh. Heute verbinden sich diese Fischeier auch mit dem im Meer treibenden Plastikmüll. Die Albatroseltern können die Eier und den Plastikmüll nicht trennen und füttern die jungen Albatrosse damit, der sich dann als unverdaulicher Fremdteil einlagert.  Auf den Midway Inseln, im pazifischen Ozean, führt das zu einem Massensterben der Albatros Jungvögel. Aber auch andere Seevögel sind betroffen. Die Population des Tristan Albatros, der nur auf der Gough Insel brütet, ist durch eine Maus-Plage sehr stark gefährdet.  Seit dem 19 Jahrhundert sind sie auf der Gough Insel Hausmäuse invasiv, durch Robbenfänger eingeschleppt. In jüngster Zeit wurde erkannt, dass die Mäuse sich auch von den Albatrosküken ernähren. Für 80% der Jungvögel bedeutet das ein grausames Ende. Die Tristan Albatrosse haben gegen den Angriff von Mäusen keine Verteidigungsstrategie evolutioniert.  Die Elternvögel sehen zu wie ihre Küken angegriffen werden und können nicht handeln.

Albatrosse sind beeindruckende Vögel, von einer Ausstrahlung und Kraft, dessen volle geistige Kraft sich nur bestimmten Menschen entfalten kann. Menschen, die in einem extrem bewegten Modus mit ihrer Gefühlswelt leben. Sie bewirken Ausdauer, wo kein Landeplatz weit und breit. Sie bewirken Stabilität, wo nichts zum Festhalten ist. Tristan Albatros ist ein großer geistiger Weggefährte, mit dem ein Mensch in Kontakt findet, der sich in Resonanz mit seinem größten Glück und seinen stärksten Alpträumen und Seelentiefen befindet. Er lässt sich selber frei, im Wind und Wetterspiel der Lüfte, empfindet das, was ihn umtreibt, in einem seine Kräfte schonenden Gleitflug, bei einer Flughöhe über 10000 m.

Chris Jordan, Albatross 2017, Kurzfilm

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